Diamorphin ist pharmazeutisch hergestelltes „Heroin“, steht in einigen europäischen Ländern zur Behandlung der Opiatabhängigkeit zur Verfügung und kann somit legal per Rezept von speziell qualifizierten Ärzten verordnet werden.

DIAMORPHIN führt zur Beruhigung, Sedierung und Reduktion psychischer Spannungen und vermittelt den Patienten ein Gefühl von Geborgenheit, Halt, Schutz und Vertrauen. In der Folge tritt eine Reduktion des Beigebrauchsverhaltens ein, Selbstverletzungen gehen zurück und die Lebensqualität nimmt zu.

DIAMORPHIN und illegal erworbenes „Heroin“ sind chemisch und in Ihrer Wirkung im Körper identisch und bewirken beide einen „Kick“. Straßenheroin weist vielfältige Verunreinigungen und Giftstoffe auf, welche zu schweren körperlichen und psychischen Funktionsstörungen führen können.

Diamorphin wird unter Aufsicht vom Patienten selbst - in der Regel intravenös – injiziert.

Patienten haben die Möglichkeit 1x oder 2x oder auch 3x täglich zur Vergabe des Diamorphins zu erscheinen, je nach ihrem individuellen Bedarf. Die weit verbreitete Ansicht, dass Diamorphin dreimal täglich eingenommen werden muss ist dagegen FALSCH!!!

DIAMORPHIN kann – wie auch alle anderen Opioide – je nach (Über-)Dosierung zu diversen Nebenwirkungen führen.

Hierzu zählen Atemdepression, Übelkeit/Erbrechen, Verstopfung, Halluzinationen, Benommenheit, Ohnmacht und Mundtrockenheit. Eine Überdosierung kann in der Regel durch die kontrollierte Abgabe in der Ambulanz vermieden werden. 

 - Vollendetes 23. Lebensjahr

- Mindestens 5 Jahre opiatabhängig mit schwerwiegender körperlicher und psychischer Funktionsstörung

- Überwiegender intravenöser Konsum

- Nachweis über zwei erfolglose Behandlungen, davon eine mindestens 6-monatige Substitutionsbehandlung
mit psychosozialer Betreuung 

Zunächst werden die formalen Voraussetzungen (Alter, Dauer der Abhängigkeit, etc.) überprüft und bei positivem Ergebnis die bestehende Opioidtoleranz sowie das aktuelle Beigebrauchverhalten durch eine zunächst 14tägige Behandlung mit Methadon/Polamidon ermittelt.

Im Anschluss erfolgt die schrittweise Umstellung/Aufdosierung des DIAMORPHINS bei gleichzeitiger Reduktion des bisherigen Substitutionsmittels bis zum Erreichen der stabilen Erhaltungsdosis.

Nein. Eine Mitgabe außerhalb der Ambulanz ist grundsätzlich nicht möglich.

Nach einer Phase der Einstellung und Stabilisierung auf eine Erhaltungsdosis ist die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit grundsätzlich möglich.

Die Möglichkeit der Kombination mit zusätzlichen Substitutionsmitteln (z.B. Substitol) kann das Auftreten von Entzugssymptomen deutlich verzögern und erlaubt den Aufbau einer bisher nicht gekannten Flexibilität in der Therapie und den Ausbau einer eigenen Tagesstruktur trotz laufender Substitutionsbehandlung.

Die Kombination von DIAMORPHIN mit anderen Substitutionsmitteln ist möglich und sinnvoll, wenn der Eintritt von Entzugssymptomen verzögert werden soll. Hierzu eignen sich Methadon, Polamidon und Substitol (retardiertes Morphin).

Die Mitgabe von DIAMORPHIN im Rahmen einer Take-Home-Verordnung ist aufgrund der gesetzlichen Vorgaben grundsätzlich nicht möglich.

Vor einer geplanten Reise etc. kann jedoch eine Umstellung auf alternative Substitutionsmittel erfolgen und somit auch – bei Erfüllung der weiteren Voraussetzungen – eine entsprechende Take-Home-Verordnung ermöglicht werden.

Außerhalb der Diamorphinambulanz ist die Fortführung der Behandlung derzeit nicht möglich.

Eine für die Zeit der stationären Behandlung vorübergehende Umstellung auf andere Substitutionsmittel (in der Regel Methadon oder Polamidon) ist jedoch möglich.

Die Behandlungsdauer richtet sich grundsätzlich nach dem individuellen Bedürfnis des Patienten. Eine gesetzlich vorgeschriebene Mindest- oder Maximaldauer existiert nicht.

MEDIKUS ist ein loser, juristisch nicht bindender Zusammenschluss selbständig agierender KollegInnen / Arztpraxen mit der schwerpunktmäßigen klassischen und diamorphingestützten Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger sowie einer stets begleitend durchgeführten hausärztlichen, internistischen und neurologisch-psychiatrischen Mitbehandlung.

MEDIKUS ist weder ein privater Investor noch eine rechtlich selbständig agierende Rechtsperson, sondern vielmehr ein "Label / Brand" zur Etablierung einer modernen, zeitgemäßen und patientenorientierten "Suchtmedizin" unter Einbeziehung aller lokalen, überregionalen und bundesdeutschen Player im suchtmedizinischen Hilfesystem.  

Bereits das Wording "Junkie-Tourismus" spiegelt eine offen gelebte Diskriminierung und Stigmatisierung abhängigkeitskranker Menschen in einer nicht hinnehmbaren und völlig unzeitgemäßen Art und Weise wider.
Die Begriffe Akzeptanz, Toleranz und Inklusion sollten sowohl auf Seiten der Politik als auch der Mitbürger nicht nur inhaltsleere Hülsen sein, sondern auch bei Abhängigkeitskranken real gelebt werden. Natürlich ist durch den Ambulanzbetrieb ein gewisses öffentliches Hintergrundrauschen zu erwarten. Unsere PatientInnen werden vor und auch nach der Behandlung ihre Grundrechte wahrnehmen und sich vor allem bei schönem Wetter auch im Freien aufhalten. Manches Erscheinungsbild kann hier als durchaus "interessant" bezeichnet werden und wird ggf. das öffentliche Interesse auf sich ziehen.

Diacetylmorphin ist ein seit 2010 für die Substitutionsbehandlung schwerst Opiatabhängiger vom BFARM zugelassenes Arzneimittel. Hergestellt aus natürlichem Rohopium unter pharmazeutischen Bedingungen.

Die Voraussetzungen zur Errichtung und dem Betrieb einer Substitutionspraxis/-ambulanz einschließlich einer Diamorphinbehandlung werden in diversen Erlassen und Verordnungen streng geregelt. Hürden und Kosten sind hoch. Dies erklärt die bis dato nur geringe Anzahl von lediglich 14 Diamorphinambulanzen in ganz Deutschland, davon 4 unter unserer Leitung.

Analog zu einem hoch spezialisierten, augenärztlichen Op-Zentrum - welches nicht in jedem ländlichen Dorf betrieben werden kann - wird unser medizinisches Behandlungsangebot aller Erfahrung nach bedürftige PatientInnen in einem Umkreis von ca. 30-40km um Bielefeld ansprechen. In der Regel verfügen unsere PatientInnen über kein eigenes Kfz und sind somit auf die kontinuierliche Nutzung des ÖPNV angewiesen.

Folglich muss sich die Standortwahl einer Diamorphin-Ambulanz in erster Linie an einer hervorragenden Anbindung an den ÖPNV orientieren. Längere Wege von Verkehrsknotenpunkten (Bahnhof, Busbahnhof) zu ggf. dezentral liegenden Ambulanzen mit erforderlicher Durchquerung von öffentlichen Räumen wie Fußgängerzonen, Wohngebieten etc. führen in der Regel zu extrem emotional eingefärbten, an diversen Einzelfällen generalisierten und häufig empört vorgetragenen Irritationen, welche der Sache nicht dienlich sind und an jedem Standort aus unserer Sicht von Anbeginn an unbedingt vermieden werden sollten.

Hilfsangebote für extrem Schwache und psychisch Kranke unter uns dürfen nicht mit hohen Auflagen verbunden sein und somit auch nicht an nur schwer erreichbare Orte verlagert werden. Insofern stellt eine zentrale Standortwahl eine geradezu perfekte Symbiose aus PatientInnenorientiertheit und maximaler Vermeidung einer Beeinträchtigung des allgemeinen öffentlichen Lebens, der Anlieger und Anwohner im Besonderen sowie der Wahrung der öffentlichen Ordnung dar.

MitarbeiterInnen der Ambulanz - darunter auch PatientInnen - werden täglich Aufgaben zur Betreuung des gebäudenahen Außenbereichs übernehmen und hier Präsenz zeigen.

Die tägliche Patientenzahl einer Ambulanz kann auf Basis unserer Erfahrung an anderen Standorten sowie unter Berücksichtigung des regionalen Einzugsgebiets auf ca. 200-300/d beziffert werden.  

PatientInnen haben die MÖGLICHKEIT, sich 2-3x pro Tag in der Ambulanz einer medikamentösen Behandlung mit Diamorphin zu unterziehen. Auf Basis der seit 2016 gesammelten Erfahrungen werden 60% der PatientInnen zu einer 1maligen Vergabe, 39% zu einer 2maligen Vergabe innerhalb eines geschlossenen Zeitraums von 2-3h sowie lediglich 1% zu einer 3maligen Vergabe des Medikaments vor Ort erscheinen.
Zum Ablauf: PatientInnen treffen im Eingangs-/Wartebereich der Ambulanz ein und haben hier begleitend die Gelegenheit, sich mit allen suchtassoziierten, nichtmedizinischen Themen / Problemen an unsere einrichtungseigenen MitarbeiterInnen der psychosozialen Betreuung (PSB) sowie des Betreuten Wohnens (BEWO) zu wenden. Kostenlos werden Kaffee, Snacks und Obst angeboten, Raucherbereiche innerhalb der Einrichtung stehen zur Verfügung. Farblich gekennzeichnete und nummerierte "Einlasskarten" regeln nach Aufruf durch die MitarbeiterInnen des Empfangs den Einlass in den medizinischen Bereich der Ambulanz.

Am Empfang findet bei jedem Besuch eine Alkohol- und Aspektkontrolle statt, wodurch die "Vergabefähigkeit" der PatientInnen grundsätzlich jedes Mal erneut überprüft wird. Nachfolgend findet im sogenannten Applikationsbereich die Vergabe der Substitute einschließlich des Diamorphins statt. Unterstützend steht hier den PatientInnen stets eine weitere Mitarbeiterin zur Verfügung. Aufgrund der initial mehr oder minder sedierenden Wirkung des Diamorphins begeben sich die PatientInnen nach erfolgter Applikation und vor Verlassen der Einrichtung in eine zeitlich individuelle Nachbeobachtungsphase in Sichtweite der EmpfangsmitarbeiterInnen. 

Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Akteuren der Suchthilfe ist nicht nur geplant, sondern immanenter Bestandteil des Behandlungskonzepts für PatientInnen. Kooperationsgespräche mit den lokalen und regionalen Drogenberatung werden diesbezüglich angestrebt, diverse Vorschläge unsererseits sind hierzu bekannt

Eine diamorphingestützte Behandlung richtet sich ausschließlich an schwerst heroinabhängige PatientInnen, welche aller Erfahrung nach zu 10-15% in jeder substituierenden Arztpraxis bereits jetzt anzufinden sind und sich trotz laufender Substitutionsbehandlung mit Polamidon/Methadon durch den fortgesetzten Beigebrauch mit gestrecktem und verdrecktem Strassenheroin "auszeichnen". Substituierende Ärzte sind in der Regel dankbar für die Erweiterung des Behandlungsangebots und die Übernahme dieser häufig als besonders schwierig und therapeutisch schwer führbar geltenden PatientInnen. Die Akzeptanz von fortgesetztem Beigebrauch mit Strassenheroin trotz bestehender, legaler und medizinisch besserer Optionen ist KEINE Alternative, sondern bestenfalls eine Kapitulationserklärung vor der Sucht. Schlechtestenfalls liegen andere Beweggründe vor.

Jede neue Diamorphinambulanz wird somit eine seit Jahren klaffende Lücke in der ansonsten meist gut aufgestellten Suchttherapielandschaft im städtischen Raum schließen. Zudem wird durch die Übernahme eines Patienten in die Diamorphinbehandlung jeweils ein Platz in der konventionellen oralen Substitution frei, welche derzeit bundesweit durch fehlenden ärztlichen Nachwuchs und mangelnde Kapazitäten für Schlagzeilen sorgt. Diamorphin trägt somit auch zum Erhalt des klassischen oralen Substitutionsangebots bei. 

Durch die von 2007 bis 2011 durchgeführte PREOMOS Studie (Predictors, Moderator and Outcome of Substitution Treatment) wurde die Wirksamkeit der klassischen, oralen Substitutions-behandlung per se wissenschaftlich bestätigt und die positiven Effekte auf Gesundheit, Delinquenz und soziale Reintegration nachgewiesen. Eindeutig belegt werden konnte jedoch auch, dass der Beigebrauch mit Strassenheroin nur unwesentlich verringert werden konnte, eine langfristige Abstinenz nicht erzielbar war und unter laufender Substitutionsbehandlung sogar eine Zunahme von psychischen Erkrankungen festgestellt werden musste.

Das bundesdeutsche Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung schwerst Opiatabhängiger hat zwischen 2002 und 2006 die Überlegenheit der Diamorphinbehandlung gegenüber der oralen Substitutionsbehandlung mit Methadon in allen Zielbereichen (Gesundheit, Delinquenz, soziale Integration, Lösen von der Drogenszene) mehr als eindrucksvoll bewiesen.

Alle Details hierzu können Sie unter http://www.heroinstudie.de/ nachlesen.

"Heroin" ist ein nach wie vor eingetragenes Warenzeichen der Firma Bayer für das Medikament Diacetylmorphin, welches erstmalig 1874 in England synthetisiert und publiziert wurde. Diacetylmorphin gehört zur Familie der Opiate und entfaltet seine Wirkung über eine starke Bindung an die Opiatrezeptoren. Aufgrund seiner besonderen chemischen Struktur (zwei Acetylgruppen am Morphin) ist eine extrem rasche Überwindung der Blut-Hirn-Schranke möglich. Das rasche „Anfluten“ vermittelt einen sofort eintretenden Zustand der Entspannung, des Glücks sowie ein allgemeines Wohlbefinden.

Ängste und Unruhezustände lösen sich unmittelbar auf. Heroin muss zurecht als hochpotentes "seelisches Schmerzmittel" bezeichnet und verstanden werden. Schwerst Heroinabhängige weisen in der Anamnese stets eine ähnliche Krankheitsgeschichte voller Leid und fortgesetzten Traumatisierungen auf.

Unsere PatientInnen weisen allesamt eine stark ausgeprägte Traumafolgestörung auf Basis fortgesetzter körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt auf. auf. Heroin ist aufgrund seiner beschriebenen Wirkung hervorragend zur SYMPTOMATISCHEN Behandlung von seelischen Schmerzen und Ängsten geeignet. Nicht umsonst haben unsere PatientInnen in ihrer Suchtgeschichte im Sinne einer Selbstmedikation bewusst viel Leid und Elend auf sich genommen, um diese spezifische Wirkung fortgesetzt zu erleben.

„Heroin“ / Diacetylmorphin war ist und bleibt ein zugelassenes Medikament und stellt für schwer traumatisierte Menschen mit nur schwer umsetzbaren, klassischen Psycho-/Traumatherapie-verfahren eine medikamentöse Überlebenshilfe dar. In reiner, pharmazeutisch hergestellter Form entfaltet Heroin seine rezeptorvermittelte intrapsychische Wirkung und wird mit einer Halbwertszeit von ca. 6h abgebaut und renal / hepatisch ausgeschieden.

Eine strukturell schädigende Wirkung auf Gewebe und Organe per se besteht – entgegen der allgemeinen Meinung - NICHT. Dieser Aspekt ist in der Regel unbekannt und führt zunächst zu gedanklichen Irritationen, letztlich aber zu einem völlig neuen Verständnis und einer breiten Akzeptanz als Medikament.

Ganz anders verhält es sich mit den legalen Drogen Alkohol und Nikotin, wo bekannter Maßen auch kleinste Mengen toxische Wirkungen auf zelluläre Strukturen haben und Schäden hervorrufen. Dies ist auch der Grund, warum es keine Alkohol- oder Nikotinsubstitution zu Lasten der GKV gibt.
Es sei hier noch ein bildhafter Vergleich zur Verdeutlichung der Wirkung von Heroin erlaubt:
Stellen Sie sich einen kalten, feuchten, übelriechenden und zugigen Raum vor, welcher eine triste niederdrückend oder ängstigende Stimmung vermittelt (= reguläre psychische Verfassung traumatisierter PatientInnen).

HEROIN hat nun die Fähigkeit auf einen „Schalter“ zu drücken, welcher über diverse im Hintergrund ablaufende Prozesse dazu führt, dass die Heizung hochfährt, der Raum in warmes, wohnliches Licht getaucht wird, die Luftqualität sich verbessert und lebensfrohe Farben an die Wand kommen. Der Raum wird wohnlich, einladend, er wird LEBENSWERT. Leider kann Heroin diesen Schalter im zeitlichen Verlauf nicht dauerhaft gedrückt halten. Langsam erlöschen die Lichter und der Raum fällt zurück in seine alte, lebensfeindliche Struktur.

Wenn man diese mögliche Veränderung der psychischen Verfassung trotz einer unabänderlichen, nahezu vernichtenden Traumatisierung einmal erlebt hat, dann möchte man diesen lebensbejahenden Zustand trotz widrigster Umstände wieder und wieder erreichen. Wer würde hier anders handeln. 

Methadon / Polamidon ist nicht in der Lage, die beschrieben, positiven intrapsychischen Veränderungen, das Glücksgefühl hervorzurufen. Eher im Gegenteil. Methadon hat eine stark sedierende Wirkung und führt zu einer emotionalen Verflachung der Konsumenten. Farben, Gerüche, Düfte werden weniger intensiv wahrgenommen, PatientInnen beschreiben sich selbst "wie in Watte gepackt" und emotional "nicht satt". Zudem führt Methadon ggf. zu schweren, möglicherweise tödlichen kardialen Nebenwirkungen.

Methadon wurde erstmalig 1939 von den Farbwerke Hoechst im Auftrag von Hitlers Vier-Jahresplan synthetisiert. Ziel war die Unabhängigkeit vom Import von Opium, welches zur Herstellung von Morphin benötigt wurde.

Erst in den 60er Jahren kam Methadon in den USA aufgrund seiner günstigen Herstellungskosten und der langen Halbwertszeit als vermeintlich geeignetes Medikament zur Substitutionsbehandlung Heroinabhängiger zum Einsatz. Völlig diametral zum heutigen Ursachenverständnis der schweren Heroinabhängigkeit wurde zu jenen Zeiten die bloße Unterdrückung der körperlichen Entzugssymptome als Ursache des fortgesetzten Heroinkonsums und somit oberstes Ziel der Behandlung angesehen. Patienten mit psychischen Problemen / Erkrankungen wurde gar der Zugang zur Substitution verwehrt.

Methadon wurde NIE zur Behandlung der Heroinabhängigkeit nach heutigen Maßstäben entwickelt. Der Einsatz von Methadon in der breiten Fläche wird trotz vielfach (aber nicht immer) besseren Wissens als vermeintlicher Goldstandard propagiert. Die Handhabung via Dosierautomaten ist einfach, die Mühe für Arzt und MitarbeiterInnen eher gering.
Der Umstand, dass Methadon heute an einem neuen Zulassungsprozess als Arzneimittel aufgrund der bekannten und mitunter ggf. tödlichen Nebenwirkungen scheitern würde ist ein offenes Geheimnis. 

Leider haben unsere PatientInnen keine Lobby, das Thema "Heroin" ist für Politiker nicht sexy, die Claims der Pharmabranche sind abgesteckt und die öffentlich weit verbreitete Meinung zur selbst verschuldeten und aus rein hedonistischen Beweggründen fortgesetzten Sucht tut ihr Übriges dazu.

Retardiertes Morphin ist aus unserer persönlichen Sicht die weitaus bessere Alternative zu Methadon und als zugelassenes Substitutionsmittel (Substitol®/Compensan®) verfügbar. Die Kosten sind deutlich höher, was berufene VertreterInnen der großen Krankenkassen dazu veranlasst, Druck auf substituierende ÄrztInnen auszuüben, Regresse anzudrohen und von einer großen Ungerechtigkeit gegenüber Nicht-Suchtkranken Menschen zu sprechen. Dieser bewusst, bundesweit fortgesetzte Eingriff in die ärztliche Therapie- und Behandlungshoheit ist nicht hinnehmbar und muss in vielen Fällen in seiner Konsequenz für die PatientInnen gar analog zu unterlassener Hilfeleistung angesehen werden.

Jede medizinische Leitlinie stellt lediglich den aktuellen Stand des Irrtums dar. Eine kontinuierliche Überarbeitung und Adaption an den aktuellen Stand der Wissenschaft ist in der Medizin omnipräsent ... nur nicht im Bereich der Substitutionsbehandlung. Die Gründe wurden bereits genannt. 

Methadon gilt aus den bereits genannten Gründen nach wie vor zu Unrecht als der „Goldstandard der Substitutionsbehandlung“. Einfache Handhabung, niedrige Kosten sowie eine lobbyfreie Patientklientel. Methadon kann an jedem auch noch so ungeeigneten Ort verabreicht werden. Die Vorschriftenlage hierzu ist übersichtlich und vergleichsweise leicht, kostengünstig und risikoarm umsetzbar.

Anders verhält es sich bei der Diamorphinbehandlung. Der Beginn einer diamorphingestützten Behandlung setzt die erfolgreiche bauliche, organisatorische und juristische Umsetzung diverser Vorschriften und Rechtsverordnungen durch ein multiprofessionelles Team rund um einen in diesem Bereich erfahrenen Architekten voraus.

Innerhalb einer bestehenden, hausärztlichen / internistischen Praxis mit begleitender oder schwerpunktmäßiger, klassischer oraler Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen ist die ergänzende Etablierung einer Diamorphinbehandlung schier unmöglich. In der Regel bedarf es der Neugründung eines weiteren Praxisstandortes sowie der deutlichen Ausweitung des Personalbestands. Der Arzt muss hier zum risikobereiten Unternehmer werden und zudem willens sein, sich mit der von vielen Seiten entgegengebrachten Kritik und Anfeindung auseinanderzusetzen - trotz erwiesener Wirksamkeit und dringend benötigter Ausweitung der Behandlung in der Fläche. 

Ähnlich lautende Fragen nach der Beendigung einer Insulinbehandlung beim Diabetiker oder einer Schilddrüsenüberfunktion werden nicht gestellt, wenngleich die möglichen Ursachen des Diabetes mellitus (Essverhalten, Adipositas, mangelnde Bewegung) weitaus beeinflussbarer sind als die Folgen einer über Jahre erlittenen Vergewaltigung als Kind. Von den vergleichsweise deutlich höheren Folgekosten eines Diabetes mellitus ganz zu schweigen.

Ursächlich für die schwere Form der Opiatabhängigkeit ist wie bereits dargestellt eine in der Regel fortgesetzte Traumatisierung / Traumafolgestörung, welche sich aufgrund der Schwere einer ursächlichen Therapie durch klassische Traumatherapieverfahren weitestgehend entzieht. Beispielhaft sei hier die jahrelange von der eigenen Mutter organisierte Vergewaltigung einer Patientin zwischen dem 8. und 14. Lebensjahr im eigenen Kinderzimmer dargestellt. Heroin hilft hier das Erlebte und die omnipräsenten negativen Emotionen und Intrusionen zu ertragen ... hilft einen mehrfach beabsichtigten Suizid zu vermeiden. Erlebnisse wie diese sind unter SuchtpatientInnen nicht selten und sollen exemplarisch die Schwere der oftmals zugrunde liegenden Traumata verdeutlichen.

PatientInnen sind hier auf eine ggf. lebenslange, symptomatische Behandlung der ausgeprägten "seelischen Schmerzen" angewiesen. Das kann nur Heroin. Heroin ist hier eine ÜBERLEBENSHILFE. 

Hätte Heroin seinen seit 1898 angestammten Platz in der Apotheke aus rein ideologisch motovierten, politisch gesteuerten Beweggründen nicht verlassen müssen, so würde auf Basis einer fachärztlichen. neurologisch-psychiatrischen Verordnung ein hochpotentes Psychopharmakon zur Verfügung stehen und ggf. noch bei weiteren psychischen / psychiatrischen Krankheitsbildern helfend zum Einsatz gelangen können.

Wie bereits dargestellt, Heroin / Diacetylmorphin verursacht per se KEINERLEI strukturelle, körperliche Schäden. Eine sich bei ErstkonsumentInnen je nach Einnahmeart und -menge innerhalb von 7-14d entwickelnde körperliche Abhängigkeit basiert auf einer Dämpfung des adrenergen Systems mit kompensatorischer Hochregulation des Adrenalinspiegel. Halten der Heroin- und Adrenalinspiegel sich „die Waage“ ist der Mensch frei von Entzugssymptomen. Sinkt der Heroinspiegel durch Abbau und fehlende Zufuhr so führt der damit einhergehende relative Adrenalinüberschuss zum Auftreten der klassischen Entzugssymptome (Schweißausbruch, Unruhe, Zittern, Muskelkrämpfe, Übelkeit/Erbrechen, Ängste, etc.). Alle genannten Symptome finden Sie auch bei schwerem Liebeskummer, ausgeprägter Prüfungsangst und einer heftigen Erkältung.

Bei fortgesetztem Ausbleiben einer Heroinzufuhr sinkt der erhöhte Adrenalinspiegel binnen 7-14d auf das normale Ausgangsniveau zurück. Der körperliche Entzug ist vorbei.  

Ist damit die Sucht überwunden, ist der Patient nun clean? Die Frage könnte bejaht werden, wenn Heroin aus rein hedonistischen, lustorientierten Gründen und ohne zugrunde liegenden seelischen Schmerz konsumiert / ausprobiert wurde. Das Bedürfnis zur kontinuierlichen Behandlung seelischer Schmerzen wäre hier nicht vorhanden.

Diamorphinpatienten dagegen sind schwer traumatisiert und ggf. lebenslang auf die Einnahme dieses Medikaments angewiesen. Optionen zum Ausstieg / Wechsel in eine andere Form der Substitutionsbehandlung sind dennoch vorhanden und werden von uns angeboten und begleitet. Zielführend sind sie leider oftmals nicht, ein Rückfall mit Strassenheroin und ggf. schweren gesundheitlichen, teils letalen Konsequenzen muss hier häufig beobachtet werden.

"Clean sein" wird von PatientInnen aufgrund des nach wie vor hohen gesellschaftlichen und familiären Drucks bei fehlender Akzeptanz und Verständnis für die Erkrankung selbst angestrebt. Das Stigma der Sucht und die damit einhergehende gesellschaftliche Ächtung lastet schwer auf Ihnen. Fortgesetztes Scheitern bei Entgiftungen und Entwöhnungen mit einem überaus negativen Selbstbild sind die Folge. Scheitern wird erwartet, wird Teil des Selbst.

Gemessen an den Grundsätzen einer ethischen Medizin muss das Wohl der PatientInnen und die Versorgung mit geeigneten, kontrolliert hergestellten Medikamenten ohne große Hürden an erster Stelle stehen. Clean zu werden darf hier nur eine von vielen Optionen sein. 

"Körperliche Abhängigkeit" wird oft per se als Versagensgrund einer Behandlung mit Diacetylmorphin angeführt. Dies führt zu einer grundlosen Stigmatisierung mit Vorbehalten und ist auch inhaltlich nicht belastbar.

Jeder Mensch ist „abhängig“ von Nahrung, Wasser und vor allem Luft. Dieser Umstand wird spätestens nach 2-3 Minuten unter Wasser sehr deutlich. Ist Luft in weitestgehend reiner Form verfügbar besteht kein Problem. Auf 8.000m Höhe ändern sich die Verhältnisse drastisch und auch eine hohe Smog-/Ozonbelastung der Umgebungsluft führt die uns die wohl größte und wichtigste Abhängigkeit des Menschen eindrucksvoll vor Augen.
Das Schweizer Model einer möglichen TakeHome Versorgung mit Herointabletten ist hier ein bereits erfolgreich praktizierter, auch in Deutschland nachahmenswerter Weg. Doch leider sind hierzulande noch keine Diacetylmorphintabletten verfügbar. Aber auch an diesem Veränderungsprozess sind wir aktiv beteiligt. 

Die Substitutionsbehandlung mit Diacetylmorphin zählt wie auch die klassische Substitution mit Methadon zu den außerbudgetären Leistungen des EBM, wird nach dem Prinzip der täglichen Sichtvergabe erbracht und nur vergütet, wenn der Patient auch vor Ort zur Behandlung erscheint. Monatliche Pauschalen etc. sind hier nicht vorgesehen.

Eine durchgehend an 365 Tagen erbrachte Diamorphinbehandlung generiert Behandlungskosten in Höhe von ca. 16.000€/Jahr/Patient.
Fortgesetzter Konsum von Strassenheroin in überwiegend prekären sozialen Verhältnissen mit dauerhaft bestehendem Beschaffungsdruck führt zu ausgeprägten medizinischen (Krankenhausbehandlungen), exekutiven (Polizei-/Ordnungsamt) und judikativen Folgekosten (Gericht- und JVA).
Diverse Studien weisen hier durchschnittliche Belastungen von ca. 100.000€ bis 200.000€ /Patient/Jahr ohne Substitutionsbehandlung für die Gesellschaft aus.

Nachgewiesener Maßen ist somit eine klassische oder diamorphingestützte Substitutionsbehandlung auch in rein wirtschaftlicher Hinsicht ein großer Gewinn für die Solidargemeinschaft. 

Die begleitend in den ersten 6 Behandlungsmonaten gesetzlich vorgeschrieben PSB (psychosoziale Betreuung) wird an allen Standorten von unseren eigenen Diplom SozialpädagigInnen als reine Serviceleistung ohne jedwede Erstattung der Kosten durch Krankenkassen oder aus anderen öffentlichen Töpfen angeboten.

Hierdurch ergänzen und bereichern wir das bereits vor Ort bestehende lokale / regionale Angebot der Drogenhilfe. 

Die bundesdeutsche Heroinstudie hat die Überlegenheit der diamorphingestützten Behandlung vs. einer klassischen oralen Methadonbehandlung eindeutig und unmissverständlich nachgewiesen. Krankheiten zu bekämpfen, Menschen zu heilen oder ihnen zumindest eine bessere und gesündere Lebensperspektive zu geben ist die Grundlage allen ärztlichen Handelns. Diese hervorragend wirksame und zugleich effiziente Form der Behandlung aus der "Schmuddelecke" ins Licht der Öffentlichkeit zu holen ist ein großer Treiber für alle in der Medikus-Gruppe tätigen ÄrztInnen.
Die betont moderne und schicke Ausstattung einer jeden Ambulanz trägt diesem Umstand weiter Rechnung. Sucht muss immer mehr als eine von lediglich vielen psychischen Erkrankungen angesehen werden und bedarf einer tatkräftigen Entstigmatisierung.
Auch bei uns gelten die universellen Gesetze der Betriebswirtschaft. Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Qualifizierte Mitarbeiter müssen adäquat bezahlt und hohe unternehmerische Risikobereitschaft auch belohnt werden.

Qualität und Umfang des Behandlungsangebots entscheiden letztlich über die Akzeptanz und Inanspruchnahme auf Seiten der PatientInnen.
MEDIKUS versteht sich als ein Zusammenschluss von ärztlichen KollegInnen mit "Herz, Mut und Verstand für die Sucht", welche sich gemeinsam der dringend benötigen Ausweitung der Diamorphinbehandlung zur Optimierung der Patientenversorgung sowie dem Abbau der überbordenden Vorgaben verschrieben hat. 

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